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Karolingisches Evangeliar

Die Handschrift mit den vier Evangelien wurde ein halbes Jahrhundert vor der Gründung des Essener Stiftes – also um 800 – geschrieben. Sie ist wahrscheinlich im Rhein-Maas-Gebiet oder in Nordfrankreich entstanden. Möglicherweise brachte Altfrid, einer der Gründer des Stifts, sie als Grundausstattung für die Liturgie der neuen Kirche mit.

Dies war nicht ungewöhnlich, denn das Buchwesen erfuhr in der Zeit des Frankenreiches unter Karl dem Großen eine umfassende Erneuerung. Wichtige Texte wie die Psalmen (‚Psalter‘) oder die Evangelien (‚Evangeliar‘) wurden in Mustereditionen herausgegeben.

Das Buch enthält die vier Evangelien, ergänzt durch Konkordanztabelle, Texte des Hieronymus und kurze Lebensbeschreibungen der Evangelisten.
Die Schmuckseiten des Karolingischen Evangeliars sind mit Flechtbändern sowie hunde- und vogelartigen Tierfiguren verziert. Die Vorbilder dazu stammen aus der irischen Buchmalerei, die schon im 8. Jahrhundert künstlerisch wertvolle Handschriften hervorgebracht hat. Das Evangeliar ist ausgestattet mit vierzehn Kanonseiten, mit besonders gestalteten Seiten (‚Incipitseiten‘) zu Beginn der Evangelienprologe und mit zahlreichen größeren und kleineren Initialen. Hinzu kommen verschiedene Arten von Zierschriften. Für die Farbgebung wurden Rot, Grün und Gelb verwendet. Der Schreibuntergrund ist Pergament.
Auffällig und für heutige Betrachter ungewöhnlich sind die altsächsischen und lateinischen Glossen, mit denen das Evangeliar versehen ist. Die Glossen – wir würden heute Randbemerkungen sagen – dienten als Übersetzungs- und Deutungshilfe. Mehr als 1000 altsächsische Worte sind hier überliefert, womit das Evangeliar eine sehr wichtige Quelle für diese frühmittelalterliche Volkssprache ist.