Legende von der Teufelssäule

Es war im Jahr 1000 nach Christus, als die Essener Äbtissin Mathilde, Enkelin des großen Kaisers Otto, sich zu einer Pilgerfahrt in die heilige Stadt Rom aufmachte. Sie besuchte dort die vielen heiligen Stätten und Kirchen und betete an den Gräbern der hll. Apostel Petrus und Paulus. Doch sie sah auch staunend die 1000 Jahre alten Tempeln des römischen Reiches. Da entdeckte sie neben einem halb zerstörten Tempel auf dem Boden liegend eine wunderschöne Säule, die noch völlig unversehrt war. Sofort hatte sie den Wunsch, diese schöne Säule in ihrer Essener Münsterkirche aufzustellen, gekrönt von einem Kreuz als Zeichen des Sieges ihres Herrn Jesus Christus über Tod und Teufel.

Doch konnte sie die Säule einfach so mitnehmen? Und wie überhaupt sollte ihr Gefolge die schwere Säule nach Essen bringen? Sie wandte sich an den Papst Silvester, der ihr großzügig erlaubte, die Säule wegzunehmen. Doch damit hatte sie immer noch keinen Wagen und keine Zugtiere, die stark genug gewesen wären, die Säule über die hohen Berge der Alpen bis nach Essen zu ziehen. Als sie so verzweifelt vor der Säule stand, war da plötzlich ein fremder Mann und sagte: „Werte Mathilde, ich will euch die Säule wohl bis in Eure Heimat schaffen“. Mathilde war überglücklich über dieses Angebot und fragte den Mann, was er denn als Lohn für dieses Tat haben wolle. Da antwortete er: „Kein Geld will ich als Lohn. Ich will etwas viel Wertvolleres, ich will deine Seele.“ Als Mathilde das hörte, wusste sie, dass ihr der Teufel in Menschengestalt gegenüberstand. Was sollte sie tun? Ihre Seele gegen die schöne Säule eintauschen? Aber sie wollte sie doch so gerne für ihre Kirche haben.

Da kam ihr der rettende Gedanke. Sie stellte dem Teufel eine Bedingung: „Du musst mir die Säule bis zum Ave-Läuten vor dem Dreikönigstages in meine Essener Kirche getragen haben. Wenn dir dies nicht gelingt, dann bekommst du auch meine Seele nicht.“  Der Teufel war sich sicher, dass ihm das Werk glücken würde, und also willigte er in den Handel ein.

Mathilde machte sich zurück auf den Heimweg, mit schlechtem Gewissen und großer Sorge, wie sie ihre Seele wohl retten könne. Der Teufel aber packte sich die schwere Säule, legte sie über die Schulter und begab sich auch auf den weiten Weg nach Essen. Am Tag vor dem Dreikönigstag war er schon weit im Norden des Sauerlands und am Abend nicht mehr weit von Essen entfernt. Er eilte zum Stiftsbezirk, doch hier waren die  Tore in der Mauern schon fest verschlossen. Der Teufel rief und klopfte, doch keine der Stiftsdamen öffnete ihm. Doch in diesem Moment begann die Glocke der Münsterkirche wie von Geisterhand zu läuten und rief die Stiftsgemeinschaft zum Ave zusammen. Da wusste der Teufel, dass er zu spät gekommen war. Denn Gott hatte einen Engel geschickt, der schnell die Kirchenglocken läutete, um Mathilde vor dem Teufel zu beschützen. Vor lauter Wut warf der Satan die schwere Säule auf den Boden, wo sie in zwei Teile zerbrach. Dann rannte er eilig davon.

Mathilde aber dankte und lobte Gott für ihre Rettung. Sie war so glücklich, dass sie fortan an jedem Dreikönigstag alle Armen der Stadt an ihren Tisch lud. Die Säule stellte sie in die Kirche und krönte sie mit einem goldenen Kreuz. Und auch wenn das Kreuz verloren ging in der langen Zeit seit ihrer Herrschaft in Essen, steht die Säule immer noch in der Münsterkirche und erinnert an Mathilde und ihren Handel mit dem Teufel.