Goldener Einband des Theophanu-Evangeliars
Der goldene Buchdeckel wurde um die Mitte des 11. Jahrhunderts von der Äbtissin Theophanu (1039-1058) geschenkt, die ihn für eine ebenfalls von ihr gestiftete Evangelienhandschrift herstellen ließ. Äbtissin Franziska Christine (1726-1776) ließ den Einband von der Handschrift trennen. Die Rückseite des Einbands wurde zu dieser Zeit durch eine barocke aus Leder ersetzt. Die Rückseite aus dem 11. Jahrhundert wurde aufbewahrt und ist ebenfalls in der Schatzkammer zu sehen. Das Evangeliar wird heute im Handschriftenraum gezeigt.
Auf der Elfenbeintafel in der Mitte des Einbandes sind von unten nach oben Geburt, Tod und Himmelfahrt Christi dargestellt, wobei die einzelnen Szenen horizontal voneinander geschieden sind. In den Ecken der Elfenbeinplatte thronen die vier Evangelisten, die die Rücken ihrer Symbole als Schreibpult benutzen.
Auf dem Rahmen aus getriebenem Goldblech, verziert mit zahlreichen Edelsteinen, stehen seitlich die Heiligen Petrus und Paulus sowie die Stiftsheiligen Cosmas und Damian. Flankiert von zwei Engeln bildet Christus als Weltenrichter den oberen Abschluss.
Im untersten Bildfeld überreicht die kleine, kniende Äbtissin Theophanu das Evangeliar der thronenden Gottesmutter. Zwei damals sehr verehrte heilige Frauen, die hl. Pinnosa und die hl. Walburgis, stehen ihr dabei zur Seite. Die Namen der drei Frauen sind durch Inschriften kenntlich gemacht. Durch die Nennung ihres Namens sicherte die Äbtissin, dass jeder Betrachter des Evangeliars sich ihrer erinnerte. Diese Form der Selbstdarstellung war nicht nur herrschaftliches Repräsentationsbedürfnis, sondern vielmehr eine Bitte um eine Erinnerung im Gebet.

