Prunkschwert

Das Schwert selbst wurde im 2. Viertel des 10. Jahrhunderts als Waffe für den Kampf geschaffen, mit 93,6 cm ist es fast einen Meter lang. Ca. ein Vierteljahrhundert später, um das Jahr 1000, entstand die Schwertscheide, die aus einem Holzkern, der mit Goldplatten bedeckt wurde, gefertigt ist. Die goldene Treibarbeit besteht aus phantasievollen Fabeltierdarstellungen in üppigem Rankenwerk. Die Ornamente lassen sich mit denen des Essener Siebenarmigen Leuchters in der Münsterkirche vergleichen. Griff und Abwehrstange wurden mit Goldblech, Filigranarbeit und Emails verkleidet.
Vermutlich gelangte das Schwert in der Zeit der Äbtissin Mathilde, einer Enkelin Kaiser Ottos des Großen, in den Besitz des Frauenstiftes. Auf Grund seines Alters könnte es sogar mit ihm selbst in Verbindung gebracht werden. Die Scheide wurde erst nach der Aufnahme in den Essener Schatz geschaffen. Wahrscheinlich zur gleichen Zeit wurden Veränderungen am Griff und der Abwehrstange vorgenommen.
Das Schwert wurde auf Grund seiner Bedeutung Teil des Essener Stadtwappens. Auf dem Briefsiegel der Stadt ist es seit 1474 zu finden.
Im späten Mittelalter galt das Schwert als Reliquie der Stiftspatrone Cosmas und Damian. Die Bleche am Mundstück und an der Spitze der Scheide wurden im 15. Jahrhundert erneuert. Darauf sind die Heiligen und eine Inschrift eingraviert: „Gladius cum quo decollati fuerunt nostri patroni“ (Schwert, mit dem unsere Patrone enthauptet wurden). Rückwirkend wurde um 1600 schriftlich festgehalten, dass das Schwert bei bestimmten feierlichen Anlässen den Fürstäbtissinnen als Hoheits- und Herrschaftszeichen vorangetragen wurde. So findet man an einigen Stellen auch den Begriff des Zeremonialschwertes für die kostbare Prunkwaffe.