Otto-Mathilden-Kreuz

Das Otto-Mathilden-Kreuz ist das bedeutendste der vier Essener Vortragekreuze und damit auch eines der bedeutendsten Werke ottonischer Goldschmiedekunst.
Das Kreuz ist ein lateinisches Kreuz mit verbreiterten, reich geschmückten Balkenenden. Ein Holzkern aus Eichenholz, der die Maße 44,5 cm x 29,5 cm x 1,8 cm hat, wurde auf der Vorderseite mit getriebenem Goldblech, auf der Rückseite mit vergoldetem Kupferblech bedeckt. Auf der Vorderseite umrahmt eine kostbare Randborte aus Edelsteinen und Perlen den gekreuzigten Christus. Die Christusfigur wurde aus der Grundplatte aus Goldblech getrieben und ist sehr fein ausgestaltet. Auf der Rückseite umrankt der Lebensbaum das Lamm Gottes und die vier Evangelistensymbole.
Der Name des Kreuzes rührt von der Zellenschmelz-(‚Email’-)Platte unterhalb des Kreuzes her, das die in Essen von 971 bis 1011 regierende Äbtissin Mathilde und ihren jüngeren Bruder Otto von Schwaben und Bayern in höfischer Tracht zeigt. Beide halten das goldene Vortragekreuz und weisen sich so als Stifter aus. Auch ihre Namen sind durch eine Inschrift festgehalten MATHILD ABBA(TISSA) und OTTO DUX.
Ging man lange davon aus, dass das Kreuz vor dem frühen Tod Ottos – er starb mit 28 Jahren an Malaria – von den Geschwistern gemeinsam gestiftet worden sei, so machen neuere Untersuchungen wahrscheinlich, dass Mathilde das Kreuz als Stiftung im Gedenken an ihren Bruder gemacht hat, eine sog. Memorialstiftung. Erst nach dem Tode des Bruders und dem damit verbundenen Erbe habe Mathilde ihre Bau- und Ausstattungsstiftungen finanzieren können. Eine Stiftung nach dem Tode des Bruders erkläre auch, warum Mathilde im Unterschied zu ihrer Darstellung auf dem jüngeren Mathildenkreuz nicht als Äbtissin, sondern als Angehörige des Hochadels gekleidet sei. Mathilde handle hierbei als Schwester und damit in erster Linie als Familienmitglied. Das Kunstwerk wäre demnach um 985 entstanden. Die Emails stammen wahrscheinlich aus der Trierer Egbert-Werkstatt.